So

16

Dez

2012

Reportage des Jahres 2012: Die Wattenscheider Schule mit Occupy Schlaraffenland

Wattenscheider Schule

Es sind keine leichten Zeiten für kreative Menschen, in diesem weltweiten Selbstbedienungsladen. Auch 2012 hagelt es Hiobsbotschaften: Mit der Frankfurter Rundschau droht sogar einer der besten Tageszeitungen das Aus. Was tun? Das Pausenbrot hält mit dieser Geografie-Stunde ein kleines Licht in den Sturm. An dieser Stelle gilt es, die beste Reportage des Jahres 2012 zu würdigen, Kategorie: Text und Bild. Unsere Fachjury hat entschieden: Die Auszeichnung geht an die Herren Schlange und Joswig, besser bekannt als die Wattenscheider Schule. Wir gratulieren zu Occupy Schlaraffenland – Gummiboot statt Strahlentod – eine Story über den Besuch im Freizeitpark Wunderland Kalkar, veröffentlicht im MagazinRuhrbarone.

Prädikat: Besonders wertvoll.


Beginnen wir mit unserer Erdkundestunde: Der „schnelle Brüter“ ist ein Atomkraftwerk, das nie in Betrieb genommen wurde. Zu finden ist er in Kalkar am Niederrhein, unweit der deutsch-niederländischen Grenze. Seit 1995 ist auf diesem Areal wirklich und tatsächlich das Freizeitzentrum Wunderland Kalkar entstanden, dazu gehören Kernies Familienland und ein Kongresszentrum. Für Erholung, Spaß und Spiel ist rund um den Kühlturm gesorgt, mit Karussels, Achterbahn und Riesenrad, abends locken Disco, Kaltgetränke und Entertainment der speziellen Art. Im Jahr 1 nach #Fukushima haben Bastian Schlange und Patrick Joswig das Phänomen in bester Gonzo-Manier unter die Lupe genommen, auf zehn Magazinseiten wird das Schauspiel in dieser skurillen Freizeitanlage mit Party-Gästen, Maskottchen „Kernie“ (!), Kühlwasserbecken, Showgrößen wie Loona („Queen of Latin Pop“) und Tim Toupet im Heft präsentiert, dazu fließen Unmengen von Drinks.

Ruhrbarone: Occupy Schlaraffenland. Foto: Thomas Backs
Foto: Thomas Backs

Das Pausenbrot meint: Die Reportage Occupy Schlaraffenland – Gummiboot statt Strahlentod im edel aufgemachten Magazin Ruhrbarone ist aus pädagogischer Sicht mit dem Prädikat besonders wertvoll auszuzeichnen. Die Autoren Bastian Schlange und Patrick Joswig beherrschen die große Reportage-Kunst auf allen Ebenen, abgebrüht und oft doch ungläubig staunend spielen sie die Klaviatur. Gedanken an den japanischen Super-GAU und Tschernobyl sind für den Leser im Hintergrund stets präsent, das Duo bindet sie in Storytelling und Dialoge ein.

 

Der Einstieg: Innerhalb von Sekunden brechen Leser ab, wenn er nicht stimmt. Die Wattenscheider Schule entscheidet sich für Titel („Occupy Schlaraffenland“) und Lead („Unser Schicksal ist besiegelt: Die Menschheit wird untergehen. An ihrer Gier ersticken und die Welt zu Grunde richten“), die neugierig machen. Im Bild strahlen dazu der Kühlturm und der blaue Himmel über Kernie`s Spiel-Oase um die Wette – perfekt, das weckt die Neugierde. Wir blättern gespannt weiter.

Die Dramarturgie: Die Autoren wählen einen einfachen, sehr wirkungsvollen Kunstgriff. Die Handlung wird in Szenen präsentiert, erhält so eine Struktur, mit der die Leser geleitet werden. Wir begleiten die Protagonisten Schlange und Joswig auf ihrem Weg durch die Bars und Discos des Wunderlands, Startpunkt ist das erste gemeinsame Grolsch am Tresen (18.03 Uhr, die Erkenntnis: „Alter, wir haben hier ne Bierflatrate“), der Schlusspunkt wird um 01.45 Uhr gesetzt. Handlungsort: „Letzte Runde in Kernie`s Kneipenstraße. Notabschaltung“). Eine Rückblende rekapituliert den Nachmittag im Freizeitpark.

Die Protagonisten: Der Leser kann sie lieben oder hassen – Profil haben Schlange und Joswig in jedem Fall. Was wir hier lesen, ist Gonzo pur. Die Wattenscheider Schule ist mittendrin, ihr Erleben bekommen wir ungefiltert vor die Linse. Motto: In Your Face!

Online könnt Ihr die ausgezeichnete Reportage der Wattenscheider Schule hier lesen, der haptische und visuelle Genuss des Print-Magazins Ruhrbarone (Ausgabe: Grenzen) mit vielen weiter Storys, Bildstrecken und Illustrationen (Themen u.a.: Loveparade Duisburg, Parkinson, Hartz IV, Zwangseinweisungen, Stadtentwicklung Ruhrgebiet) entgeht Euch dabei allerdings. Das Pausenbrot empfiehlt: Am besten gleich bestellen, bevor die letzten Exemplare vergriffen sind. Thomas Backs


Print: Ruhrbarone 1/2012: Grenzen. Klartext-Verlag, broschiert, 172 Seiten.

 

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Kommentare: 2

  • #1

    Heiner Kämpken (Samstag, 26 Januar 2013 08:00)

    Hallo Allerseits,
    herzlichen Glückwunsch zu Eurem schönen Blog.

    Ich habe auf meinem Blog bezüglich Freizeitparks recherchiert.
    Schaut doch mal,drauf,wenn Ihr mögt.

    http://primafreizeitparks24.com

    Ich würde mich freuen.

    Herzlichst

    Heiner Kämpken

  • #2

    Thomas (Samstag, 26 Januar 2013 13:58)

    Danke für das Lob, Heiner. Habe mir Deinen Blog angesehen. Gefällt mir gut, komme gerne zurück. :-)

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